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4. Trockenes Auge

Die Erkrankung „Trockenes Auge“ wird häufig missverstanden, da es sich im Wesentlichen um eine Benetzungsstörung des Auges handelt und die Augenoberfläche nicht unbedingt trocken sein muss. Man kann auch von einer Tränenfilmstörung sprechen. Andere Bezeichnungen wie Sicca-Syndrom, Office-Eye-Syndrom, Sjögren-Syndrom oder Tränendes Auge gehören hier ebenfalls dazu. Es handelt sich um ein erstaunlich komplexes Krankheitsbild.

Was sind die Symptome ?

Die Symptome des Trockenen Auges stellen sich vielfältig dar.

  • Druckgefühl
  • Juckende Augen
  • Brennende Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • Augenmüdigkeit
  • Zunehmendes Verschwommensehen zum Beispiel beim Lesen
  • Rote Augen und rote Augenlider
  • Tränende Augen
  • Häufige Gerstenkörner und Hagelkörner
Welche Ursachen gibt es ?

Als Ursachen sind am häufigsten

  • Dysfunktion der Liddrüsen, Meibomdrüsendysfunktion – MGD (Meibomian gland dysfunction)
  • Chronische Lidrandentzündung (Blepharitis), zum Beispiel durch Milben oder Hauterkrankungen wie Rosazea, Neurodermitis
  • Entzündungen oder Atrophie der Tränendrüse
  • Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom
  • Hormonelle Störungen
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Umweltfaktoren
Wie kommt das Trockene Auge zustande?

Man unterscheidet zwei Formen des Trockenen Auges:

  • Trockenes Auge wegen Flüssigkeitsmangel – die Hauptursache liegt zumeist in einer Minderfunktion der Tränendrüse, es fehlt an Flüssigkeit auf dem Auge
  • Trockenes Auge wegen zu hoher Flüssigkeitsverdunstung – die Hauptursache besteht in einem gestörten Aufbau des Tränenfilms

Bei der letztgenannten Form spricht man auch von einer hyperevaporativen Form. Sie ist mit 80% die häufigste Form des Trockenen Auges. Der schutzbildende Film des Auges geht verloren, weil die Lipidschicht des Tränenfilms nicht ausreichend ausgebildet ist. Die Lipide bestehen aus dem Sekret der sogenannten Meibomschen Drüsen, die sich am Rand der Augenlider befinden. Die Meibomschen Drüsen geben eine ölige Flüssigkeit (Lipide) ab, die sich dann im Idealfall mit der Tränenflüssigkeit vermischen und somit deren Langlebigkeit sichern. Sind die Drüsen gestört, sondern sie nicht genug Lipide ab und die Tränenflüssigkeit verdunstet schneller. Besonders akut wird die Situation durch eine chronische Entzündung der Lidranddrüsen. Diese Entzündung ist der Beginn eines Teufelskreises: Wenn die Lidranddrüsen nicht gut funktionieren, ist der Tränenfilm instabil, der Film bleibt nicht auf dem Auge haften, die Augen beginnen zu tränen oder brennen. Die Bindehaut wird gereizt und entzündlich verändert (Fremdkörpergefühl, Brennen, Lichtempfindlichkeit). Damit verstärkt sich auch wieder die Entzündung der Lidranddrüsen.

Durch dieses Verschwimmen des Tränenfilms verschwimmt auch Ihre Sicht. Die Hornhaut ist grundsätzlich nicht so glatt, dass sie eine hohe Abbildungsqualität erbringt. Das erreicht sie erst mit einem intakten Tränenfilm, der sie vollständig überzieht. Störungen des Tränenfilms führen demnach auch zu schlechterem Sehen. Manchmal ist der Tränenfilm so defekt, dass die Hornhaut selbst raue Stellen bildet. Diese verursachen dann Streulicht und beeinträchtigen das Sehen erheblich.

Bei über 80% der betroffenen Patienten findet sich ein Befall der Wimpernwurzeln mit sogenannten Demodex-Lid-Milben. Sie kommen bei älteren Patienten häufiger vor als bei jüngeren Patienten. Demodex-Milben gelten als gesicherte Ursache der Blepharitis und damit des Trockenen Auges. Sie verfügen über fettspaltende Enzyme (Lipasen), deren Abbauprodukte zu Bakterienwachstum an den Lidrändern führen. Damit wird die Entzündungsreaktion der Liddrüsen weiter verstärkt. Es entsteht ein Teufelskreis, der nur durch Abtötung der Lid-Milben unterbrochen werden kann. Mögliche Therapien bestehen in einer Teebaumöl-Kur oder der effektiven IPL-Therapie.

Welche Diagnostik wird empfohlen ?

Die Diagnostik des trockenen Auges muss vor jeder Planung einer Behandlungsstrategie sorgfältig erfolgen. Neben der gezielten Anamnese um Angaben über Allgemeinerkrankungen, Medikamente, spezielle Symptome und Umweltfaktoren zu bekommen, sind apparative Untersuchungen zur Analyse nötig. Diese umfassen insbesondere:

  • Messung der Tränensekretionsmenge
  • Messung des wässrigen Anteils (Tränenmeniskusmessung)
  • Oberflächenspannungsmessung (Interferometrie)
  • Oberflächenverteilungsdarstellung
  • Messung von Anzahl, Länge und Füllung der Meibomdrüsen (Infrarot-Meibomographie)
  • Lipidfilmanalyse in Bild und Video
  • Lidrandanalyse
  • Osmolaritätsmessung des Tränenfilms
Welche Therapiemöglichkeiten ergeben sich ?

Therapeutisch ergibt sich eine Reihe von sich ergänzenden Maßnahmen:

  • Häufiges Blinzeln: Wer konzentriert an einem Computerarbeitsplatz arbeitet oder lange liest, blinzelt viel seltener als bei anderen Tätigkeiten. Blinzeln Sie daher bewusst oder sehen Sie ab und zu in die Ferne.
  • Augentropfen: Die häufigste Therapie besteht in der Gabe von Augentropfen. Die einfachsten Tropfen sorgen für eine Zufuhr von Flüssigkeit und unterstützen damit den wässrigen Teil des Tränenfilms. Andere Sorten enthalten auch fettige Bestandteile, um den Tränenfilm zu stabilisieren und das Auge damit vor Austrocknung zu schützen. Eine Kombination mit entzündungslindernden Subtanzen kann ebenfalls hilfreich sein. Die Anwendung all dieser Substanzen als Spray oder Gel ist ebenfalls möglich. Antibiotische Augentropfen werden bei Bedarf vom Arzt verordnet.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Hier kommen Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren oder Vitamin A in Frage.
  • Teebaumöl: Gegen Demodex-Milben haben sich Teebaumöl-Tücher als grundlegende Therapie etabliert. Eine mehrwöchige Behandlungsdauer führt zum Abtöten dieser Erreger.
  • Lidrandhygiene: Ein Muss bei der Therapie der Lidrandentzündung ist die tägliche Reinigung der Lidränder. Nach Erwärmung der Lider mittels Infrarotlampe oder warmen Kompressen werden mit einem Wattepad oder -stäbchen die Schuppen und weitere Verunreinigungen der Liddrüsen entfernt. Gründlich und professionell wird die Lidrandhygiene mit dem BlephEx-Gerät in unserer Praxis durchgeführt.
  • Lidrandmassage: Bei einer Meibomdrüsendysfunktion sollten die Lidränder massiert werden. Mit Infrarotlampe oder warmen Kompressen wird das Sekret dieser Drüsen zunächst verflüssigt. Durch gezielten Druck auf die Lidkante, zumeist mit einem Wattestäbchen, werden die Liddrüsen ausgepresst und damit normale Sekretion verbessert. In unserer Praxis wird diese Methode unter spaltlampenmikroskopischer Kontrolle durchgeführt.
  • IPL-Lichttherapie: Die "Intense Pulsed Light"-Therapie ist das neueste und erfolgversprechendste Therapieverfahren bei Trockenen Augen, chronischer Blepharitis und einer Unterfunktion der Lidranddrüsen, der Meibomdrüsen-Dysfunktion. Die IPL-Therapie kann die chronischen Entzündungsprozesse unterbinden, Bakterien und Milben abtöten, die Lidranddrüsen wieder anregen uns so das Heilen von Trockenen Augen positiv beeinflussen.